Das Werk Sinans, der auch als Bauingenieur und Städtebauer wirkte, gilt als Höhepunkt der klassischen osmanischen Architektur. Sinans Bedeutung wird durch Bezeichnungen wie „Euklid seiner Epoche“ oder „Michelangelo der Osmanen“ durch Zeitgenossen und Fachliteratur deutlich.
Er gilt als einer der größten Architekten aller Zeiten. Einige seiner Moscheen werden in ihrer Kongruenz und Harmonie von Innen- und Außenwirkung unter Kunsthistorikern als die vollkommensten der vorindustriellen Zeit angesehen. Sinans genaue Geburtsdaten sind nicht bekannt. Die lückenhaften und teilweise widersprüchlichen Informationen über seine Familie und sein Leben gründen großenteils auf Verschriftlichungen mündlicher Mitteilungen Sinans durch seinen Freund, den Dichter Mustafa Sâ'î Çelebi sowie dem Briefwechsel aus seiner Zeit als Generalbaumeister, seiner Stiftungsurkunde (Vakfiye) und dem Epitaph an seinem Grabmal Sinan wuchs als Sohn möglicherweise in Ağırnas bei Kayseri auf und wurde vermutlich auf den Namen Yusuf getauft. In Ağırnas wurde er möglicherweise Steinmetz.
Er kam als junger Mann 1512/13/14 durch eine ungewöhnlich späte Knabenlese nach Istanbul und wurde zum Zimmermannsmeister sowie in der Rekrutentruppe (acemi ocağı) militärisch ausgebildet. In den folgenden Jahrzehnten nahm er an den meisten Feldzügen unter den Sultanen Selim I. und Süleyman I. teil (Çaldıran, Damaskus, Kairo, Belgrad, Rhodos, Mohács, Wien, Täbris, Bagdad, Korfu, Apulien, Moldawien, usw.) und lernte somit die verschiedensten Architekturtraditionen kennen.
Danach befehligte er als Zemberekçibaşı (= Kommandant der Artillerie) das 82. Korps (ocak) und wurde nach dem Irakfeldzug 1535 zum Haseki (Oberst der kaiserlichen Leibgarde) ernannt. Er diente dabei gleichzeitig ab den 20er Jahren zunächst als Militäringenieur, später trug ihm sein Talent beim Bauen von Festungen, Brücken usw. in den 1530er Jahren den Posten als Chef der Mechaniker ein. Zwischen den Feldzügen errichtete er auch einige zivile Gebäude, so dass er 1537/38/39, nach dem Tode seines Vorgängers Acem Ali, den Titel „Ser-Mimâr-ı Mimârân-ı Hassâ“ (= Oberhaupt der Hofbaumeister) erhielt. Mit dem Bau oder der Fertigstellung der Haseki-Hürrem-Sultan-Moschee (1538/39) begann eine der bemerkenswertesten Karrieren in der Architekturgeschichte. Sein erstes großes Werk war die Şehzade-Moschee in Istanbul (erbaut 1543-1548). Weitere Hauptwerke sind die Süleymaniye-Moschee in Istanbul (1550-57) und die Selimiye-Moschee in Edirne (1567/68–1574/75). Auf den Reiseschriftsteller Evliya Çelebi geht die sonst nicht bestätigte Meinung zurück, Sinan selbst habe diese drei Moscheen als „Lehrlingsstück“ (Şehzade-Moschee), „Gesellenstück“ (Süleymaniye-Moschee) und „Meisterwerk“ (Selimiye-Moschee) bezeichnet. Doch auch zwischen diesen großen Hauptwerken entstanden zahlreiche profane und religiöse Bauten von exquisiter Qualität und Originalität. So schuf er nach der Selimiye-Moschee noch zahlreiche Moscheen, die wieder neue Lösungen der Überkuppelung auf hexagonalem oder oktogonalem Stützsystem zeigten. Sinan war als Chefarchitekt des Hofbauamtes nicht nur für die Baustruktur zuständig, sondern gestaltete oft auch den Innenraum, zum Beispiel durch akzentuierte Platzierung von Fliesenpaneelen. Während seiner 50jährigen Amtszeit erhöhte sich aufgrund der enormen Bautätigkeiten die Anzahl der Architekten unter ihm von 17 auf über 30 - mehr als ein Drittel waren nicht konvertierte Christen. Zudem bildete er im Laufe seiner 50jährigen Chefarchitektenzeit 250 Schüler aus, wovon ein Schüler, Yusuf, unter dem Mogulherrscher Akbar dem Großen in Indien diente. Sinan starb im Jahr 1588 und ist am nördlichen Rande der Külliye der Süleymaniye-Moschee in Istanbul in einer schlichten, von ihm selbst entworfenen Türbe begraben. Zur Erinnerung an den großen Baumeister gibt es heute in Istanbul die Mimar-Sinan-Universität. Bauwerke Es gibt fünf Autobiographien bzw. Werkverzeichnisse, in denen die Bauwerke Sinans aufgeführt werden. In diesen Dokumenten, die auf Sinan selbst zurückgehen, werden nicht nur die Bauwerke aufgelistet, die Sinan entworfen und erbaut hat, sondern auch Werke, bei denen er die Verantwortung der Renovierung übernommen hatte, wie dem Felsendom in Jerusalem. Insgesamt beinhalten diese Verzeichnisse ein Œuvre von 471 bis 477 Bauwerken. Von diesen 477 Bauten sind 29 nicht feststellbar oder Sinan zuzuordnen, 172 – meistens Bauwerke aus Holz – sind aufgrund von Feuer, Erdbeben, Überbauung, Entosmanisierungen usw. vernichtet, 49 wurden grundlegend renoviert, so dass Sinans Bausubstanz kaum mehr vorhanden ist, 23 existieren nur noch als Ruine (Stand: 1985). 204 von Sinans Bauten sind originär erhalten.
Deren Ausführung kann Sinan kaum zugeschrieben werden, da er für diese Details in anderen wichtigen Bauten für ihn typische architektonische Antworten gibt. Andere Bauten hingegen wurden nicht durch ihn persönlich vor Ort beaufsichtigt, weil er kaum Zeit für sämtliche dazu nötigen Reisen zu den Grenzen des Weltreiches gehabt haben dürfte (wie die Tatar-Khan-Moschee/Ukraine) oder es bekannt ist, dass Assistenten aus Istanbul geschickt wurden bzw. lokale Baumeister die Ausführung übernahmen. Man weiß hingegen, dass Sinan beispielsweise nach Mekka reiste, wo er Arbeiten beaufsichtigte.
Einige kleinere Bauten finden sich nicht in den Listen, so Brunnen, bestimmte Schulen, Läden usw. Einige größere Bauten, die nicht in den Listen verzeichnet sind, gelten dennoch als von Sinan errichtet (wie zum Beispiel zwei der Minarette der Hagia Sophia und die Armenküche der Haseki Hürrem Külliye). Insgesamt wird Sinan sehr hoch eingeschätzt: „[...] im Umfang seines Œuvres [wurde er] von keinem anderen Architekten irgendeines Landes oder irgendeiner Kultur übertroffen, und kaum einer hat so konsequent seine Ideen zu verwirklichen vermocht wie er, keiner fand so großzügige Bauherren wie die Sultane und Staatsmänner des osmanischen Weltreichs.“ Die enorme Anzahl der Bauten rührt auch daher, dass die osmanischen Stifter neben einer Freitagsmoschee meistens gemeinnützige Bauten errichten ließen. So entstand ein ganzer sozio-ökonomischer Baukomplex, Külliye genannt. Dafür standen schier endlose finanzielle Mittel zur Verfügung, die im Falle der Sultansmoscheen und –külliyen prinzipiell ausschließlich aus Beutegeldern und Tributzahlungen der „Ungläubigen“ bestehen sollten.
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