|
Im Islam gibt es fünf Pflichten, die jeder Muslim einzuhalten hat, die sozusagen die Tragpfeiler des Glaubens sind:
1. Den Glauben an die Einheit Allahs (subhanahu wa ta’ala) und das Ablegen des Bekenntnisses zu diesem Glauben. 2. Das Gebet (arab. Salâh) fünf Mal am Tag 3. Die soziale Pflichtabgabe (Zakât) gegenüber den Mitmenschen 4. Das Fasten im Monat Ramadan 5. Die Pilgerfahrt nach Mekka Bei der Aufzählung der Pflichten eines Gläubigen wird das Spenden an dritter Stelle nach dem Glauben an den Schöpfer und dem Gebet angeführt. Dazu lesen wir im Koran: „Ihr werdet echte Frömmigkeit nicht erlangen, ehe ihr nicht von dem spendet, was ihr liebt; und was immer ihr spendet, siehe, Allah weiß es.“ (3:92) Im Groben unterscheidet man im Islam zwei Arten des Spendens: die obligatorische Pflichtabgabe und die freiwillige Wohltat.
Die soziale Pflichtabgabe (arab. Zakât) Zakât bedeutet „Reinigung“, „Anwachsen“ und ist ein Gottesdienst. Es handelt sich hierbei um einen „materiellen Gottesdienst“, da durch die Zahlung der Zakât Habgier verhindert, das Vermögen gereinigt und Segen gewonnen werden kann. Der Prophet Muhammad (Friede sei mit ihm) hat gesagt: „Gott hat euch die Zakât nur darum zur Pflicht gemacht, damit euer übriges Eigentum dadurch gereinigt werde." Die Zakât ist keine Steuer, die vom Staat erhoben wird, es ist aber auch keine freiwillige Spende, sondern eine Verpflichtung gegenüber Gott. Im Koran wird die Einrichtung der Zakât häufig im selben Vers erwähnt wie die Verrichtung des Gebets. Jeder Muslim ist verpflichtet, die jährliche soziale Pflichtabgabe in der Höhe von 2,5 % seines Vermögens, an Arme und Bedürftige, zu entrichten. Derjenige der die soziale Pflichtabgabe an Bedürftige zu zahlen leugnet, leugnet die Religion und jeder der dies aus Leichtsinn oder Achtlosigkeit nicht zahlt, ist ein Übeltäter. Die soziale Pflichtabgabe, ermöglicht dem Muslim, sein Herz von weltlichen Unreinheiten zu reinigen. Jeder Einzelne lernt sich von geliebten Dingen zugunsten anderer Menschen zu trennen. Die Zakât ist in erster Linie ein Zeichen der Ergebenheit in Gottes Willen. Denn sie wird entrichtet, weil es sich hierbei um ein Gebot Allahs (swt) handelt. Er befreit sich vom Egoismus und der Sucht zum Materiellen, all dies wird durch die Liebe zum Schöpfer ersetzt, es verhilft dem Einzelnen zu einer Persönlichkeitsentwicklung, welcher eines der wichtigsten Weisheiten der Zakât ist. „O ihr, die ihr glaubt! Lasst euch nicht durch euer Hab und Gut und euere Kinder von der Erinnerung an Allah abbringen. Wer sich so verhält – das sind die Verlierer.“ (63:9)
Auch aus der Sicht der Armen und Bedürftigen ist die Zakât sehr wichtig, da sie nur ihnen zusteht und unbedingt an sie entrichtet werden muss. Die Bedeutung der Zakât für die Gesellschaft ist mindestens so bedeutend, wie der Nutzen für den Einzelnen. Allah (swt) hat nicht allen Menschen denselben materiellen Reichtum gegeben. Der Umstand, dass der Luxus und die Verschwendung von Menschen aus verschiedenen Teilen der Erde und deren Teilnahmslosigkeit gegenüber den Armen und Bedürftigen, hat dazu geführt, dass die armen Bevölkerungsschichten ihnen mit Hass und Spott entgegnen, denn es ist Realität, dass 1% der Weltbevölkerung 40%[1] des Weltvermögens besitzen! Würden diese Reichen den Bedürftigen Ihre Rechte geben, in dem sie ihre soziale Pflichtabgabe abtreten, dann gebe es keinen einzigen Hunger-Toten. Die Zakât ist eine der wirkungsvollsten Mittel gegen diese gesellschaftlichen Ungerechtigkeiten. Diese soziale Solidarität beinhaltet ein System, dass diejenigen schützt, die in materielle Not geraten sind. Sie fördert den Zusammenhalt und die Solidarität und verkleinert die Kluft zwischen Arm und Reich. Durch die Zakât wird die Habgier der Reichen durch Zuneigung und Menschlichkeit ersetzt. Es ist auch wichtig anzuführen, dass in wohlhabenden islamischen Ländern, dieses soziale System Anwendung findet, weshalb kein Mensch (egal welcher Religion) den Hungertod erleiden muss.
EMPFÄNGER DER ZAKÂT: Zakât-Empfänger sind diejenigen, denen die Zakât übergeben werden darf. Im Koran (9:60) werden acht Gruppen von Menschen beschrieben, welche Zakâtempfänger sein dürfen:
Der Islam hat vor über 1400 Jahren ein System des Wirtschaftens entwickelt, wo nicht das Geld und die Maximierung des Profites im Mittelpunkt stehen, sondern der Mensch und seine sozialen Bedürfnisse. Würde jeder Mensch die jährliche obligatorische soziale Pflichtabgabe von 2,5% von seinem Vermögen entrichten, gäbe es keine Hungersnöte mehr.
[1] The Guardian, Wednesday 6 December 2006 13.51 GMT
|
