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Islamische Kultur


"Wer einmal die Moschee in Kairuan gesehen hat, hat den Islam gesehen und wer einmal Erzeugnisse muslimischen Handwerks in der Hand gehalten hat, der hat den Islam berührt; diejenigen, welche die Kaaba gesehen und berührt haben, sind noch tiefer in den Nährboden des Glaubens eingedrungen und in Berührung mit einer Wirklichkeit gekommen, die universal ist." (Eaton, Charles La Gai, in "Der Islam – und die Bestimmung des Menschen", S. 373)

Die Muslime sind nicht nur Vertreter einer großen Weltreligion, sie si n d auch Vertreter einer großen Kultur, die bedeutende Leistungen vorzuweisen hat und auch bei der Entwicklung des neuzeitlichen Europa maßgeblichen Einfluss hatte. Wie viele wissen schon, dass die griechische Philosophie, die Chemie und Alchemie, die arabischen Zahlen, die Zahl Null, die Algebra, der Algorithmus, die Entdeckung des Blutkreislaufs,Kaffee, Tee, Sofa, Stoffe wie Damast und Musselin, Schach, Teppiche, Pyjama/Beinkleider und vieles mehr muslimische Kulturimporte sind.


"Jedem Muslim, Männern wie Frauen", hatte der Prophet Muhammad das Streben nach Weisheit quasi zur religiösen Pflicht auferlegt. "Suchet Wissen von der Wiege bis zum Grabe" hatte er aufgerufen, denn "wer nach Wissen strebt, betet Gott an". Die Moschee spielt eine zentrale Rolle für die Entwicklung der Architektur in islamischen Ländern. In frühislamicher Zeit wurden keine monumentalen Bauten geschaffen, da die trockenen Sandwüsten Arabiens die Voraussetzungen für eine solche Architektur nicht boten.


Die kulturelle Kraft des Islam besteht weniger in spezifischen, kulturellen Intentionen, als vielmehr in dem Willen, zur Einheit zu rufen und Völker und Kulturen im Namen des Einen Gottes zusammenzuführen.


Die Musik hat in der muslimischen Gesellschaft stets eine wichtige Rolle gespielt. Schon in der frühislamischen Zeit wurden Ereignisse wie Pilgerfahrten, Hochzeiten und sonstige Feierlichkeiten mit Musik begleitet. Die islamische Kunst, "ist die irdische Kristallisation des Geistes der islamischen Offenbarung, aber auch eine Spiegelung der himmlischen Wirklichkeiten auf Erden.


Die traditionelle islamische Zivilisation und alle ihre verschiedenartigen Manifestationen werden von diesem Prinzip der Einheit, des tawhid, das im Glaubensbekenntnis - La ilaha illa llah - ausgedrückt wird beherrscht, das überall, wohin man sich auch wendet, zu entdecken ist, genau so, wie die göttliche Einheit, die im Namen al-Wah, id (aus dem der Begriff tawh, id abgeleitet ist) zum Ausdruck kommt, entdeckt werden kann, wo immer eine beliebige Oberfläche angekratzt oder durchdrungen wird, um zu enthüllen, was darunter liegt.


Gott ist überall gegenwärtig, und Er kann überall gefunden werden, und dies ist der Grund, weshalb die ganze Welt die »Moschee« oder Gebetsstätte des Muslims ist. Eaton, Charles Le Gai, Der Islam und die Bestimmung des Menschen, S.373


Herrlich ist der Orient Übers Mittelmeer gedrungen; Nur wer Hafis liebt und kennt Weiß was Calderon gesungen Goethe, Westöstlicher Divan

 

Oft wird die Frage gestellt, ob es überhaupt "die islamische Kultur" gebe, oder worin die spezifische Eigenart der islamischen Kultur liegt. Die Frage hat ihren Ursprung wohl darin, dass der Islam eine große Zivilisation hervorgebracht hat, die stets wusste, Elemente der Kultur in ihren Verbreitungsgebieten zu integrieren. Deswegen ist die islamische Kultur die Kultur aus vielen verschiedenen islamischen Ländern und deren verschiedenen Völkern.


Außer den Muslimen hatten an dieser Kultur auch Juden, Christen, Zoroastrier, Sabäer, und zum Teil auch Buddhisten teil. Auch die Begegnung der antiken Philosophie Griechenlands, der römischen Kulturtradition und den mathematischen, technischen und naturwissenschaftlichen Kenntnissen, über die die Spätantike im Mittelmeerraum, im Iran, in Indien und auch in China verfügte, haben sicherlich zu der kulturellen Blüte der islamischen Zivilisation beigetragen.


Daher ist es für viele schwierig, die Eigenarten der islamischen Kultur zu beschreiben.


Dennoch wird man sicherlich von der islamischen oder muslimischen Kultur sprechen, wenn man die unzähligen Manifestationen dieser Kultur vor Augen hat, wenn man sich von der Al-hambra in Cordoba, des Tadj Mahal in Agra, der Kaaba in Mekka oder der Blauen Moschee in Istanbul faszinieren lässt.


Ich machte eine Reise durch Ägypten. Eines Abends ging ich am roten Meer zu Fuß. Plötzlich habe ich einen Gebetsruf in der Stille gehört. Mein ganzer Körper zitterte mir vor Ehrfurcht vor dem Schöpfer. Plötzlich empfand ich den Wunsch, gleich ins Wasser zu springen, um die rituelle Waschung vorzunehmen, nach diesem erfrischenden Bad mich wie ein Moslem niederzuwerfen und ALLAH den Erhabenen anzubeten. Emil Ludwig...deutscher Schriftsteller und Denker...1881 - 1948