Gut, dass sich Istanbul auf zwei Kontinente ausbreiten kann. Die Metropole am Bosporus mit ihren Basaren, Palästen, Kuppeln und Minaretten sprengt längst alle Grenzen. Der Stadtkern misst gigantische 100 Kilometer von Ost nach West, 40 von Nord nach Süd. 14 Millionen drängen sich am Schnittpunkt zwischen Orient und Okzident, zwischen Asien und Europa, Islam und Christentum, und täglich werden es mehr. Eng, verstopft, laut, grell, hektisch, dampfend, dreckig und schräg - so kennt der Städte-Tourist eine Seite von Istanbul. Doch alles subjektiv Wahrgenommene relativiert sich, je näher das rückt, was die Stadt objektiv wirklich ausmacht - ihr bizarres Geflecht an sakraler und profaner Kunst, an epochaler Architektur, osmanischen Monumenten, westeuropäischer Stadtentwicklung und imperialistischen Relikten. Ihr Konzentrat an Stilvielfalt und prickelnder Atmosphäre, das den französischen Schriftsteller Gustave Flaubert Mitte des 19. Jh.s zur These veranlasste, Istanbul werde wie einst Byzanz bzw. Konstantinopel wieder einmal der Mittelpunkt des Universums. Erneuerung So weit ist's noch nicht. Aber immerhin darf sich der Moloch 2010 wie das deutsche Essen und das ungarische Pécs - auch ohne EU-Mitgliedschaft der Türkei - Europäische Kulturhauptstadt nennen.
Eine Auszeichnung als Auftrag für eine Art Generalsanierung. Seit November gibt es am Airport Sabiha Gökçen einen weiteren internationalen Terminal. Allerdings mit dem Nachteil, dass es ins Zentrum ziemlich weit ist und die Anbindung an den öffentlichen Verkehr fehlt.
In der Stadt wurden mehr als 80 Bauwerke renoviert. Mit 415 Millionen Euro ließ sich trotz Verzögerung so manches nach modernsten Erkenntnissen restaurieren - das Atatürk-Kulturzentrum strahlt in neuem Glanz, entlang der Landmauer leuchten frisch polierte Fassaden, am Wasserschnittpunkt von Marmarameer, Bosporus und Goldenem Horn verlor die Statue von Staatsgründer Mustafa Kemal ihre dicke Patina, also genießt der große Atatürk wieder freien Blick auf die malerische Meerenge.
Auf dem Hügel zwischen den Meeren gewinnt die Altstadt an Moderne. Geprägt vom europäischen Stil, entstehen weitere schmucke Flanier- und Erlebnismeilen mit internationalen Shops und Restaurants.
Istanbul ist längst viel mehr als (restaurierte) Hagia Sophia, Blaue Moschee, Alte Stadtmauer, Großer Basar, Bosporus-Brücke, Topkapi-Palast oder jahrtausendalte Geschichte. Istanbul schläft nie, steht immer mehr für Trendstadt mit Design, Lifestyle, Shopping und Nightlife. Und Istanbul ist eine junge Stadt - fast zwei Drittel der Millionen Leute sind jünger als 30. Als Kulturhauptstadt möchte Istanbul vor allem mit moderner, zeitgenössischer Kunst gefallen. Eines der Zentren wird das Istanbul Modern Museum sein, eine funkelnde Galerie in einer umfunktionierten Lagerhalle. Ein anderer Hotspot ist das Santral Istanbul am Goldenen Horn, eine Kunstwerkstätte in einem historischen Kraftwerk mit integriertem Energiemuseum. Weitere Kulturhäuser sind ein umgebautes Gaswerk, der historische Schlachthof und eine alte Kaserne. Quer durch alle 39 Stadtbezirke werden sich Ausstellungen des Projekts "Tragbare Kunst", Musik und Film ziehen. Top-Adressen Zwischen Kunst und Kultur macht sich Istanbul auch gastronomisch immer besser. Es muss ja nicht unbedingt Kokorec (geröstete Schafseingeweide zwischen zwei Broten) am Standl sein. Es könnte vielleicht Nohutlu Iskembe (Kichererbsen mit Kutteln) oder Tursu (eingelegtes Gemüse) sein. Quelle der Bilder KURIER Beitrag aus dem
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