Schön langsam ärgert es Gernot "Galib" Stanfel, dass er sich immer wieder für seinen Glauben rechtfertigen muss. " Wenn sich ein Muslim danebenbenimmt, ist immer der Islam daran schuld. Das ist nicht fair." Und der Terror der Islamisten? "Muslime, die ihre unmenschlichen Taten mit ihrer Religion begründen, haben ganz wesentliche Teile des Islam nicht verstanden, oder sie missachten sie."
Ein verregneter Vormittag im Café. Gernot Stanfel (41) ist bei seinem Lieblingsthema: Islam und Christentum. Orient und Okzident. Mit beidem kennt er sich aus. Stanfel war Anfang 20 und gläubiger Christ, als er sich "auf spirituelle Suche" machte. Über die Musik kam er mit orientalischer Kultur und dem Islam in Berührung. "Die mystische Seite hat mich fasziniert." 40 Tage zog er sich zurück - nach einer Übung aus der Tradition des Sufismus: Alleine, in einem verdunkelten Zimmer, meditierend, betend, im Koran lesend, mit kaum Schlaf und nur Datteln, Feigen und Oliven zum Essen. Danach wusste er: "Der Islam ist meine Religion." 18 Jahre ist das her. Heute ist Stanfel Musiktherapeut bei der Caritas, mit einer Türkin verheiratet und Vater von vier (muslimisch erzogenen) Kindern. Zwei von ihnen besuchen eine katholische Privatschule im Heimatort Pressbaum (NÖ), nur die älteste Tochter (12) pendelt jeden Tag freiwillig ins Islamische Gymnasium nach Wien. "Und steht dafür brav um 5.30 Uhr auf", sagt der Vater anerkennend. Er selbst musste bei seinem Konfessionswechsel um Anerkennung kämpfen. "Weißt eh: Islam ist lahm", meinte einer seiner damaligen Freunde. "Als ich aufgehört habe, abends um die Häuser zu ziehen und Alkohol zu trinken, hat sich mein soziales Umfeld schlagartig geändert", erzählt Stanfel. Daraufhin zog er sich für längere Zeit aus dem Gemeindeleben zurück. 2005 veröffentlichte Stanfel mit seiner Band Bard.Allah die CD "Islam daham" - noch bevor die FPÖ "Daham statt Islam" plakatierte. "Anscheinend ist denen nicht einmal der Spruch selbst eingefallen", sagt er. Abendland
Dass der Spruch teilweise auf fruchtbaren Boden fällt, sieht er auch historisch bedingt. "In unserem Unbewussten schlummern noch immer die Schauermärchen aus der Zeit der Türkenbelagerungen. Wien wurde oft als Retter des Abendlandes hochstilisiert." Sein Schwiegervater kam vor 40 Jahren aus dem Südosten der Türkei als Gastarbeiter nach Österreich, nachdem man zuvor seine Muskeln und Zähne kontrolliert hatte. "Dass man diesen Menschen nun vorwirft, kaum Deutsch zu können, ist zynisch. Man war gar nicht interessiert daran. Das waren ja großteils Analphabeten, die man geholt hat."
Quelle der Bilder KURIER Beitrag aus
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